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Warum Donald Trump sich von Europas alter Ordnung abwendet

  • Autorenbild: WatchOut News
    WatchOut News
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Fast 80 Jahre lang war die Bindung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa unerschütterlich. Geschmiedet in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs, errichtete diese Allianz Institutionen wie die NATO und die UN, die demokratische Werte und eine "regelbasierte internationale Ordnung" aufrechterhielten. Es war ein Schild gegen das Chaos, ein gemeinsames Projekt zur Verhinderung globaler Katastrophen.

Aber Amerika, unter dem tiefgreifenden und dauerhaften Einfluss von Donald Trump, signalisiert nun eine dramatische Scheidung von seinen ältesten Partnern. Dies ist nicht nur eine politische Anpassung; es ist eine grundlegende Neudefinition der transatlantischen Beziehungen, die Europa mit einer drastischen neuen Realität konfrontiert.


Das Ende globaler Regeln: Amerika zuerst, Europa zuletzt?

Der auffälligste Wandel? Washington stellt offen die "regelbasierte internationale Ordnung“ in Frage, die es einst selbst gefördert hat. Die neueste US-amerikanische Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) verachtet sogar den Ausdruck mit skeptischen Anführungszeichen, eine klare Erklärung: Amerika sieht sich nicht mehr als den primären Architekten der globalen Stabilität, die durch gemeinsame Regeln definiert ist.


Analysten wie Karin von Hippel bestätigen dies als einen starken Wendepunkt von den globalen Werten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die neue Weltanschauung, verkörpert durch die ehemalige Trump-Beraterin Victoria Coates, stellt den Nationalstaat als oberste Instanz in den Vordergrund. Internationale Institutionen werden nun mit tiefem Misstrauen, ja sogar mit Feindseligkeit betrachtet, oft beschuldigt, „antiamerikanische Gefühle“ zu hegen oder zu versuchen, die „Souveränität zu untergraben“.


Diese Strategie befürwortet ausdrücklich eine Rückkehr zu den „Souveränitätsrechten der Nationen“ und verfolgt einen rauen, machtzentrierten Ansatz, bei dem die USA ohne Umschweife ihre eigenen Interessen priorisieren.


Von Multilateralismus zu Muskelkraft: die Rückkehr der Großmachtpolitik

Das ist keine bloße Rhetorik; es ist eine strategische Überholung. Es markiert eine Rückkehr zur „Großmachtpolitik“, eine Welt, in der Führer wie Trump, Xi Jinping und Wladimir Putin einseitige Maßnahmen über kooperativen Multilateralismus bevorzugen.


Moskau hat überraschenderweise einen gemeinsamen Nenner mit diesem neuen amerikanischen strategischen Denken gefunden.


Der NSS fördert eine kraftvolle, einseitige Außenpolitik, die durch die jüngste militärische Intervention der USA in Venezuela zur Absetzung von Nicolás Maduro anschaulich demonstriert wird. Begründet durch die Behauptung der Monroe-Doktrin, dass Amerika in der westlichen Hemisphäre Vorrang hat, umging dieser Schritt das internationale Recht, um den chinesischen Einfluss einzudämmen und lebenswichtige Vermögenswerte wie den Panamakanal zu sichern. Für dieses neue Amerika stehen Souveränität und regionale Interessen über globalen Rechtsnormen.


Europa: kein Partner mehr, sondern ein Fragezeichen

Vielleicht am beunruhigendsten für Europa ist seine Herabstufung innerhalb dieses neuen Rahmens. Während eine „sentimentale Bindung“ an die gemeinsame Geschichte bleibt, kritisiert das NSS Europas „aktuelle Entwicklung“ und verweist auf den „wirtschaftlichen Niedergang“ und das „Risiko der zivilisatorischen Auslöschung“. Es stellt sogar kühn die langfristige Lebensfähigkeit einiger NATO-Mitglieder aufgrund demografischer Veränderungen in Frage.


Karin von Hippel bezeichnet dies als „sehr nativistisch“ und „ideologisch“ und deutet darauf hin, dass der Fokus auf nationaler Identität über die liberalen Werte gelegt wird, die einst den Westen verbanden.


Statt einer traditionellen Partnerschaft ermutigt Washingtons neue Strategie subtil dazu, innerhalb europäischer Nationen „Widerstand zu kultivieren“. Dies bedeutet, nationalistische und patriotische Parteien auf dem gesamten Kontinent zu unterstützen und sie als potenzielle Verbündete in einer neu gestalteten globalen Ordnung zu betrachten.


Dieses Gefühl hat Forderungen von Persönlichkeiten wie dem Deutschen Friedrich Merz ausgelöst, dass Europa „Unabhängigkeit“ von den USA erreichen und die NATO neu gestalten sollte – ein kostspieliges und komplexes Unterfangen angesichts der tief verwurzelten Abhängigkeit Europas von amerikanischen Sicherheitsgarantien.


Der populistische Unterton: Kulturkämpfe werden global

Unter diesen strategischen Verschiebungen liegt ein tiefgreifender kultureller und politischer Abgrund. Die NSS verkörpert eine „populistische Revolte gegen das Establishment“, angeheizt durch Ängste vor Einwanderung, wirtschaftlicher Ungleichheit und kultureller Identität. Diese Spaltung ist über den Atlantik hinweg offensichtlich, von Trumps MAGA-Basis bis hin zu Frankreichs Nationaler Sammlung und Deutschlands AfD.


In Amerika sind diese Kulturkriege nun unwiderruflich in die Außenpolitik eingewoben. Russland, einst ein Gegner im Kalten Krieg, wird von einigen im Umfeld Trumps zunehmend als potenzieller Verbündeter bei der Verteidigung der "weißen, christlichen Zivilisation“ betrachtet—ein deutliches Zeichen dafür, wie traditionelle Werte und nationale Identität nun die Außenbeziehungen bestimmen.


Eine zerrissene Zukunft: Europas Weggabelung

Donald Trumps Amerika zieht sich unmissverständlich von der globalistischen, regelbasierten Ordnung zurück, die die Nachkriegszeit prägte. Stattdessen verfolgt es einen pragmatischen, machtorientierten Ansatz, der in strenger Souveränität, Unilateralismus und tiefem Misstrauen gegenüber internationalen Institutionen verwurzelt ist.


Europa steht nun vor seiner größten Prüfung seit Jahrzehnten. Wird es sich an diese neue, härtere Realität anpassen oder riskieren, marginalisiert zu werden? Während Amerika seine Rolle neu definiert, muss der Kontinent nun eine Landschaft navigieren, die durch Nationalismus, Großmachtkonkurrenz und kulturelle Umwälzungen neu geformt wurde, und dabei versuchen, Abhängigkeit und Unabhängigkeit in einer Welt auszubalancieren, in der Stärke und Eigeninteresse die neuen Währungen globalen Einflusses sind.

 

 
 
 

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