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Die „Donroe-Doktrin“: große Töne und noch größere Fehler

  • Autorenbild: WatchOut News
    WatchOut News
  • vor 11 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Trick war erfolgreich. Ein Autokrat weniger, null amerikanische Opfer. Nach der chirurgischen Entführung von Nicolás Maduro am 3. Januar reitet US-Präsident Donald Trump derzeit auf einer Welle geopolitischen Adrenalins.



Er ist berauscht von diesem „Sieg“ und will nun – wie ein High-Roller, der gerade die Bank gesprengt hat – den Einsatz verdoppeln. Die neuen Ziele auf der Karte? Kolumbien, Kuba und Mexiko.

 

Unter der sogenannten „Donroe-Doktrin“ – einem glänzenden, aggressiven 2026er-Update des Originals von 1823 – erklärt Trump die westliche Hemisphäre praktisch zu seinem Hinterhof, in dem er nach Belieben schalten und walten darf. Doch während das Gehabe groß ist, geht die strategische Rechnung nicht auf. Angriffe auf diese drei völlig unterschiedlichen Nationen wären wohl kaum ein Geniestreich, sondern eher ein Eigentor.

 

Kuba: die ölhungrige Festung

Kuba ist seit langem der „weiße Wal“ für den Florida-fokussierten Flügel der Republikaner, allen voran Außenminister Marco Rubio. Jahrzehntelang war der Traum simpel: warten, bis das kommunistische Regime verhungert. Dieser Traum wurde durch Hugo Chávez’ ölige Lebensader aufgeschoben, die Havanna über Wasser hielt, selbst als die venezolanische Produktion auf 30.000 bis 35.000 Barrel pro Tag sank.

 

Die aktuelle Logik Washingtons lautet: Der Weg führt über Caracas. Wenn man den venezolanischen Wirt erledigt, folgt der kubanische Parasit. Am 11. Januar forderte Trump Präsident Miguel Díaz-Canel auf, einen „Deal zu machen oder die Konsequenzen zu tragen“, und versprach daraufhin, alle venezolanischen Öllieferungen zu kappen.

 

Doch Havanna ist nicht Caracas. Das Regime ist kein zerstrittener Haufen korrupter Kleptokraten; es ist eine disziplinierte, indoktrinierte Maschinerie. Ein Zugriff im Maduro-Stil gegen Díaz-Canel – der von einem loyalen Kreis um Alejandro Castro gestützt wird – würde wahrscheinlich in einem Blutbad enden.

 

Sollte Trump stattdessen die Infrastruktur ins Visier nehmen, riskierte er Treffer auf chinesische Satellitenstationen oder russische Häfen, was einen karibischen Trick effektiv in einen globalen Schlagabtausch verwandeln würde. Zudem droht beim Sturz des Regimes ein chaotischer Exodus von Flüchtlingen in Richtung Florida – kaum ein „Sieg“ für einen Präsidenten, der von Grenzsicherung besessen ist.

 

Kolumbien: Wortgefechte im Dschungel

In Bogotá ist die Stimmung angespannt. Trump hat bereits auf X verkündet, Präsident Gustavo Petro solle „auf seinen Arsch aufpassen“. Auf die Frage nach militärischen Maßnahmen antwortete Trump gewohnt lässig: „Klingt gut für mich.“

 

Die Rechtfertigung? Kokain und Kommunismus. Petro ist ein ehemaliger Guerillero, der mit Kritik an Israel oder der US-Hegemonie nicht spart. Da im Mai 2026 die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien anstehen, legt Trump bereits die Hand auf die Waagschale, um den Trump-nahen Abelardo de la Espriella gegenüber Petros Schützling Iván Cepeda zu favorisieren.

 

Ein Militärschlag auf kolumbianischem Boden wäre jedoch ein taktischer Albtraum. Dschungellabore zu bombardieren ist ein Spielchen, das seit vierzig Jahren nicht funktioniert. Viel wichtiger: Petro ist ein demokratisch gewählter Führer, kein Paria wie Maduro. Ein Raketenangriff würde Kolumbien nicht „befreien“; er würde Petro zum Märtyrer machen und einen Sturm des Nationalismus entfachen, der jeden pro-amerikanischen Kandidaten an den Wahlurnen verbrennen würde.

 

Mexiko: den besten Kunden angreifen

Präsidentin Claudia Sheinbaum hat den schwierigsten Job in der Runde. Mexiko ist der größte Handelspartner der USA und liefert 80 % seiner Exporte nach Norden. Noch entscheidender ist, dass Sheinbaum die Torhüterin für Trumps Einwanderungsstatistik ist. Sie verwaltet die Abgeschobenen, beherbergt die Asylsuchenden und patrouilliert an der 2000 Meilen langen Grenze.

 

Dennoch sagte Trump am 8. Januar gegenüber Fox News, er plane, „auf mexikanischem Boden zuzuschlagen“, um die Kartelle ins Visier zu nehmen, da diese „Mexiko regieren“. Hier versagt die Trick-Logik völlig. Chirurgische Schläge gegen Fentanyl-Labore klingen im Briefingraum toll, sind aber eine Kriegserklärung an einen Verbündeten.

 

Sollte Trump ohne Sheinbaums Segen handeln, würde die Zusammenarbeit bei der Einwanderung – einer seiner größten innenpolitischen Erfolge – sofort verdampfen. Der Handel würde stoppen, der Tourismus sterben und selbst die kommende FIFA-Weltmeisterschaft würde zu einer sicherheitstechnischen Unmöglichkeit. Es ist das Äquivalent zu einem Dieb, der die Bank niederbrennt, die ihm bereits gehört.

 

Eine parteiische Doktrin ohne Endspiel

Die „Donroe-Doktrin“ dient weniger der regionalen Stabilität als vielmehr einer parteipolitischen Abschlussliste. Trump hat sich gegenüber Brasiliens Lula und zeitweise auch Petro zurückgehalten, doch sein Fadenkreuz ist fest auf die Linke gerichtet.

 

Der entscheidende Fehler in diesem Plan ist das Fehlen eines Ziels. Geht es darum, Drogen zu stoppen? Die Destabilisierung souveräner Regierungen lässt den Drogenhandel im Vakuum meist erst richtig aufblühen. Geht es darum, Anführer zu stürzen? Kuba und Mexiko sind nicht Venezuela.

 

Wenn das einzige Ziel darin besteht, die Welt aus dem Gleichgewicht zu bringen und alle Augen auf seinen X-Feed zu lenken ... nun, das hat er bereits geschafft. Aber als langfristige Strategie ist es ein Trick, bei dem der Fluchtfahrer die Landkarte vergessen hat.

 
 
 

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