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Fahnenflucht und der verborgene Kampf innerhalb des ukrainischen Militärs

  • Autorenbild: WatchOut News
    WatchOut News
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Die interne Stabilität der ukrainischen Streitkräfte wird derzeit durch eine Disziplinarkrise auf die Probe gestellt, die die Intensität des kinetischen Konflikts an den Frontlinien widerspiegelt.

Jenseits der gut dokumentierten Herausforderungen bei der Beschaffung und der internationalen Diplomatie ist Kiew nun gezwungen, sich mit einer zunehmenden Welle von eigenmächtiger Abwesenheit und Fahnenflucht in den eigenen aktiven Reihen auseinanderzusetzen.

 

Mychajlo Fedorow, der neu ernannte Verteidigungsminister, hat diese internen Brüche an die Öffentlichkeit gebracht und enthüllt, dass etwa 200.000 Soldaten eigenmächtig ihre Einheiten verlassen haben – ein Zustand, der international als AWOL (Absent Without Official Leave) bekannt ist.

 

Die Kategorisierung der Krise: Eigenmächtige Abwesenheit versus Fahnenflucht

Um das Ausmaß des Problems zu verstehen, ist es notwendig, zwischen den verschiedenen rechtlichen Einstufungen des militärischen Fernbleibens in der Ukraine zu unterscheiden.

 

Unter Kriegsrecht wird die eigenmächtige Abwesenheit (AWOL) als Abwesenheit vom Posten ohne Erlaubnis für mehr als drei Tage definiert. In der deutschen Rechtssprache entspricht dies der unerlaubten Entfernung von der Truppe. Es handelt sich dabei oft um ein vorübergehendes, wenn auch illegales Verlassen der Einheit, das eine Gefängnisstrafe zwischen fünf und zehn Jahren nach sich zieht.

 

Fahnenflucht (Desertion) hingegen ist eine wesentlich schwerwiegendere Einstufung. Sie wird angewandt, wenn Soldaten ihren Dienst absichtlich und dauerhaft aufgeben, um sich dem Kriegsdienst gänzlich zu entziehen. Dies wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 12 Jahren bestraft.

 

Die Generalstaatsanwaltschaft hat das schiere Ausmaß dieser Fälle offengelegt: Seit Kriegsbeginn bis Ende 2025 wurden über 235.000 Strafverfahren wegen unerlaubter Entfernung eingeleitet, zusammen mit mehr als 53.000 Fällen von tatsächlicher Fahnenflucht.

 

Das Phänomen der taktischen eigenmächtigen Abwesenheit

Einer der komplexeren Aspekte dieser Krise ist das, was Beobachter als „taktische“ eigenmächtige Abwesenheit bezeichnen. Dies geschieht, wenn ein Soldat die Versetzung in eine andere Einheit anstrebt – etwa eine, die auf Drohnenkrieg spezialisiert ist – und dies über offizielle Kanäle abgelehnt wird.

 

Um das System zu umgehen, begeht der Soldat eine unerlaubte Entfernung von seinem ursprünglichen Posten und meldet sich anschließend bei seiner Wunscheinheit zum Dienst.

 

Obwohl diese Soldaten technisch gesehen weiterhin an der Verteidigung des Landes beteiligt sind, verursacht ihre unbefugte Bewegung einen logistischen Albtraum. Es unterbricht die Befehlskette und macht es für das Verteidigungsministerium fast unmöglich, die wahre Stärke einzelner Brigaden genau einzuschätzen.

 

Fedorow hat signalisiert, dass seine Prüfung diese organisatorischen Mängel ins Visier nehmen wird, um den Anreiz für Soldaten zu beseitigen, auf eigene Faust die Einheit zu wechseln.

 

Historischer Kontext und die Last langwieriger Kämpfe

Die von Fedorow übermittelten Zahlen sind historisch bedeutsam. Zum Vergleich: Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem gesamten europäischen Kriegsschauplatz insgesamt rund 150.000 amerikanische und britische Soldaten als fahnenflüchtig oder eigenmächtig abwesend eingestuft.

 

Die Ukraine hat diese Gesamtzahl in einem deutlich kürzeren Zeitraum überschritten. Dieser Vergleich unterstreicht die psychische Belastung des „ewigen Dienstes“ ohne planbare Rotationen. Viele Fälle von unerlaubter Entfernung beginnen damit, dass Soldaten nach einem kurzen Heimaturlaub schlichtweg nicht mehr an die Front zurückkehren, da sie keine Aussicht auf reguläre Ablösung sehen.

 

Fazit: Der Weg zur Stabilisierung

Die Offenlegung dieser Zahlen ist ein kalkuliertes Risiko. Mit dem Geständnis, dass 200.000 Soldaten eine eigenmächtige Abwesenheit begangen haben, erkennt die Regierung eine Krise an, die nicht länger verborgen werden kann.

 

Der Erfolg der ukrainischen Verteidigung im Jahr 2026 hängt davon ab, ob der Staat die unerlaubte Entfernung von der Truppe durch ein gerechteres Rotationssystem eindämmen kann. Nur so lässt sich das Vertrauen in die militärische Führung wiederherstellen und die Integrität der kollektiven Verteidigung wahren.

 
 
 

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