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1939 begann ein deutscher 'Gefreiter' den Zweiten Weltkrieg. Heute plant ein anderer deutscher „Gefreiter“, den 3.

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius diente als „Gefreiter“ bei der Bundeswehr. Seine Aufgabe war es, den kommandierenden Offizier zu fahren. Heute bereitet er die Bundeswehr auf einen möglichen Krieg mit Russland vor.

Die Bundeswehr wurde einst als Bollwerk gegen die Sowjetstreitmacht in der DDR gegründet. Nach der Wiedervereinigung folgten weltweite Auslandseinsätze. Nun steht sie erneut vor einer wachsenden Bedrohung durch Russland.

 

Es war Anfang 1996, als Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland erstmals seit Ende des Zweiten Weltkrieges den Boden eines anderen europäischen Landes in Kampfmontur betraten. Die Deutschen kamen nicht als "Blauhelme" der UNO, sondern für die NATO nach Bosnien-Herzegowina.

 

Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik war 1992 von der dort ansässigen serbischen Volksgruppe und von Truppen des Autokraten Slobodan Milosevic in den blutigsten Krieg auf europäischem Boden seit 1945 gestürzt worden.

 

Im Dezember 1995 unterzeichneten die Kriegsparteien, die Nachbarländer und die Staats- und Regierungschefs der USA, Großbritanniens, Frankreichs und des vereinigten Deutschlands das Friedensabkommen von Dayton.

 

NATO-Einsatz in Bosnien: Wandel der Bundeswehr

Die NATO bildete die "Implementation Force", IFOR, später die "Stabilization Force", SFOR, um den Waffenstillstand in dem kleinen südosteuropäischen Land zu sichern - mit deutscher Beteiligung.

 

Doch dieser Einsatz markiert mehr als nur den Beginn des NATO-Engagements in den Westbalkan-Ländern: Vor allem die deutsche Bundeswehr war mit ihren Soldatinnen und Soldaten nur teilweise auf den Einsatz in dem kleinen, von engen Bergtälern durchzogenen Bosnien vorbereitet. Teils mussten dort Straßen verbreitert werden, weil das schwere Kriegsgerät sonst nicht vorangekommen wäre.

 

Solche sogenannten "Out-of-Area"-Einsätze standen bis dahin nicht auf dem Trainingsplan der deutschen Streitkräfte. Denn während des Kalten Krieges war die Bundeswehr innerhalb der NATO vor allem für die Abwehr eines Angriffs der sogenannten Warschauer-Pakt-Staaten zuständig. Das waren die Länder der sowjetischen Einflusszone, zu der auch der Osten des heutigen Deutschlands gehörte – die sozialistische DDR.

 

Allein dort hatte die Sowjetunion eine halbe Million Soldaten stationiert. Zusätzlich stellte die DDR mit der Nationalen Volksarmee (NVA) weitere mehr als 150.000 Soldaten.


Manöver: Sowjetischer Angriff in der norddeutschen Tiefebene

Die NATO-Manöver durchspielten jedes Jahr das Szenario eines Angriffs vor allem durch Panzer auf flachen Landstrichen im Norden Deutschlands. Bundeswehr-Panzereinheiten sollten sich einem solchen Angriff entgegenstellen - solange, bis vor allem mit Unterstützung des größten NATO-Landes USA uneingeschränkte Lufthoheit gegenüber einem möglichen Angreifer aus dem Osten hergestellt sein würde.

 

Für diese recht genau definierte Rolle innerhalb der NATO wuchs die westdeutsche Armee von 249.000 Soldaten im Jahr 1958 bis auf 493.000 Soldaten im Jahr 1972 an. Es sollte das Jahr mit der größten Truppenstärke der Bundeswehr bleiben.

 

Bei einer Truppenstärke um 480.000 blieb es bei der Bundeswehr bis zur Öffnung des Eisernen Vorhangs und dem Fall der Berliner Mauer. Danach ging die Zahl der Soldaten nur kurz noch einmal nach oben: Als die Bundeswehr die ostdeutsche Nationalen Volksarmee integrierte - vor allem mit dem Ziel, die NVA-Strukturen abzuwickeln.

 

Truppenstärke bei 181.000 Soldatinnen und Soldaten

Gut zwei Jahrzehnte nach Ende des Ost-Westkonflikts dienten noch rund 200.000 Soldatinnen und Soldaten in der deutschen Truppe. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin hatte die Bundeswehr im vergangenen Jahr sogar nur noch 181.000 Angehörige.

 

Davon ist nur ein kleiner Teil bereit für den Kampfeinsatz im Rahmen der NATO. Vor allem mit dem Einsatz in Afghanistan nach den Terroranschlägen in den USA 2001 wandelte sich die Bundeswehr in der NATO erneut.

 

Einheiten, die schnell transportiert werden können - und sei es bis nach Afghanistan - waren lange Zeit das Ziel. Bis zur sogenannten "Zeitenwende" vor zwei Jahren. Den Begriff hatte der Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Rede im Deutschen Bundestag geprägt.

 

Es war eine Reaktion wenige Tage nach dem Großangriff Russlands auf das Nachbarland Ukraine am 24. Februar 2022. Die Abwehr eines Flächenangriffs in Europa ist das militärische Szenario, mit dem viele Militärs in drei Jahrzehnten nach dem Ende des Kalten Krieges gar nicht mehr geplant hatten.

 

Boris Pistorius: "kriegstüchtig" in fünf Jahren

Die Bundeswehr müsse "kriegstüchtig" werden, sagt der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius. Analysen gehen davon aus, dass Russland in weniger als fünf Jahren einen Angriff auf NATO-Gebiet wagen könnte. Seit der Großinvasion in der Ukraine hat die Regierung in Moskau auf Kriegswirtschaft umgestellt.

 

Nach drei Jahrzehnten "Out-of-Area"-Einsätzen reicht allein die Munition der Bundeswehr für die Verteidigung eines solchen Angriffs allerdings nur für ein paar Tage.

 

Jetzt also sollen NATO und Bundeswehr so aufgerüstet werden, dass die Abschreckung gegenüber Russland so stark ist, dass Moskaus Militärs künftig auf einen Angriff auf NATO-Gebiet verzichten. So wie in vier Jahrzehnten Kaltem Krieg.

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